Blutiger Streit im Bergdoktor-Dorf Ellmau : „Ich schlag euch tot“

Im bekannten Tiroler Alpendorf Ellmau spitzt sich ein Nachbarschaftsstreit immer weiter zu. Im Fokus stehen Geschwister aus Deutschland. Sie pochen auf ihr Recht.

Ellmau/Tirol – Ob Skifahren im Winter oder wandern im Sommer, Österreichs Alpen ziehen jährlich viele Urlauber in ihren Bann. Doch was auf viele idyllisch wirkt, kann in so manchen Fällen trügen. In einem kleinen Alpendorf in Tirol in Österreich eskaliert ein Nachbarschaftsstreit zusehends. Es sind die Beteiligten selbst, die sich nun an die Öffentlichkeit wenden. Sie berichten von Gerüchten, Drohungen und körperlichen Begegnungen.

Im beschaulichen Ellmau tobt seit Jahren ein erbitterter Nachbarschaftsstreit.

Im Fokus des Streits stehen zwei Geschwister aus Deutschland. Carsten Olbrich und seine Schwester Gabriele waren es, die dem Spiegel von ihrem seit Jahren schwelenden Konflikt berichteten. Gebürtig stammen die Olbrichs eigentlich aus Deutschland, doch seit Jahren leben die Geschwister gemeinsam in einem Haus in Ellmau in Tirol. Das Dorf dürfte vielen eher als Kulisse der berühmten TV-Sendung „Der Bergdoktor“ bekannt sein.

Geschwister aus Deutschland glauben, dass sich die Nachbarschaft gegen sie verschworen habe

Die Olbrichs glauben, dass sich die Nachbarschaft gegen sie verschworen habe. Das Ziel vieler im Dorf sei es, die Deutschen aus Ellmau zu vertreiben. Das glauben zumindest die beiden Geschwister. Doch ein Wegzug komme für die beiden nicht infrage. Dafür müsse man Carsten Olbrich ermorden, so berichtet es der Deutsche dem Spiegel.

Mittlerweile beherrschen die Streitigkeiten den Alltag der beiden Geschwister. Wenn Olbrichs einkaufen gehen, heben sie die Quittungen auf. Falls sie später mal ein Alibi brauchen. Um das Haus seien Sträucher und Fichten gepflanzt, damit niemand auf das Grundstück sehen könne. Nachdem jemand die Radmuttern an einem ihrer Autos gelöst habe, nutzen sie Sicherheitsmuttern an ihren Range Rovern.

Gestartet habe der Nachbarschaftsstreit bereits vor 17 Jahren, damals sei der Vater der Geschwister mit einem Nachbarn aneinandergeraten. Die Auseinandersetzung landete vor Gericht, endete jedoch mit einem Freispruch für den Nachbarn. Infolgedessen teilte Olbrich gehörig aus. Der Deutsche zeigte diverse Personen in der Gemeinde an, darunter einen Nachbarn wegen des Verdachts der Schwarzarbeit.

LKA sucht Geschwister auf, plötzlich stehen schwere Vorwürfe im Raum

2016 spitzen sich die Streitigkeiten zu, das LKA tauchte vor dem Haus der Geschwister auf. Eine anonyme Homepage wurde im Namen der Geschwister verfasst. In dem kurzen Text hätte sich das Geschwisterpaar als Liebespaar geoutet und nach Gleichgesinnten gesucht. Laut der Anzeige seien auch Personen „willkommen“, die „lieber Sex mit Kindern“ hätten. Unterschrieben sei der Text auf der anonymen Homepage damals mit den Kontaktdaten der beiden Geschwister gewesen. Für Gabriele Olbrich sei in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen, Carsten Olbrich habe zum ersten Mal keine Zukunft mehr für sich gesehen.

Wer die anonyme Homepage initiiert hat, konnten Ermittler nicht klären. Dafür fanden diese heraus, wer die anonyme Anzeige bei der Polizei aufgegeben hatte: ein Nachbar. Eine Auswertung der Computer der Olbrichs verlief negativ, die Ermittlungen gegen die Geschwister wurden eingestellt.

Schlagersänger und Geschwister geraten eines Abends aneinander

2022 dann die nächste Eskalation. Olbrichs seien nach eigenen Angaben mit ihrem Hund spazieren gegangen, als sie auf die Familie eines lokal bekannten Schlagersängers getroffen seien. Johann Kiesler ist ebenfalls ein Nachbar der beiden Geschwister. Bei dem Aufeinandertreffen gerieten die Geschwister zunächst mit der Tochter Kieslers in eine Diskussion. Später sei auch der Schlagersänger zur Diskussion hinzugestoßen. Dieser habe zunächst gefragt: „Was willst du, du Oarschloch?“ Festgehalten habe Olbrich diesen Moment mit einem Video. Daraufhin sei das Handy von Carsten Olbrich auf den Boden gefallen, die Aufnahme habe gestoppt. Was nach diesem Moment in dem Alpendorf geschah, unterscheidet sich in den Versionen.

Der Schlagersänger behauptet, von Olbrichs Dobermann attackiert worden zu sein. Im Zuge dessen habe das Tier sein Herrchen umgerissen und Olbrich sei gegen die Sitzbank gefallen. Gabriele Olbrich soll sich nach Angaben des Sängers dann auf ihn gestürzt haben und ihn an den Haaren gezogen haben. Beim Versuch, sich zu wehren, habe der Schlagersänger „unabsichtlich“ das Gesicht der Deutschen getroffen.

In der Version der beiden Geschwister hätte der Schlagersänger diese zunächst beleidigt, unter anderem seien die Worte „Ich schlag euch tot, ihr Kinderficker“ gefallen. Der Schlagersänger bestreitet laut dem Spiegel diese Aussagen. Im Bezirkskrankenhaus Kufstein seien später die Verletzungen der beiden Geschwister dokumentiert worden. Neben Rippenbruch, Trommelfellriss, Gehirnerschütterung und Schleudertrauma wurden auch Rücken- und Kieferprellungen diagnostiziert. Nach Zahlung einer Geldbuße sei das Verfahren gegen den Schlagersänger eingestellt worden.

Carsten Olbrich will „Frieden, aber erst mal will ich mein Recht“

Gegenüber dem Spiegel erklärt der Schlagersänger, dass ihm von dessen Anwalt geraten worden sei, zu schweigen. Die Olbrichs hätten ihn in einem Zivilverfahren auf 75.000 Schadensersatz verklagt. Der Sänger wird einzig mit einem Satz zitiert: „Die haben meine Familie bedroht, ich wollte meine Familie verteidigen.“ Gegenüber der Bild erklärt der Sänger: „Sie sind mit 80 Prozent der Ellmauer im Streit, haben sogar die Polizei angezeigt, weil sie ihn nicht unterstützen würden. Das muss man sich mal vorstellen“.

Die Zivilklage bestätigt auch Carsten Olbrich gegenüber dem Spiegel. Das Geld brauche er zwar nicht, doch wolle er es trotzdem haben. Olbrich wolle zwar „Frieden, aber erst mal will ich mein Recht“, auch wenn es nie ende. Und der Deutsche fügt noch an: „Wenn einer von denen tot umfällt, steig ich da drüber“.

Erst vor wenigen Tagen geriet ein Hotel in Österreich in die Schlagzeilen. Das Hotel verwies zwei Gäste wegen ihrer Badekleidung des Pools. Die beiden Frauen wehrten sich – mit Erfolg.

 

 

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